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Elektrik im Altbau: wann der Komplettaustausch unvermeidbar ist

Autorenbild: Julian S.
Julian S.
6. Sept.
4 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • Vier Anzeichen sprechen für einen Komplettaustausch: Keramiksicherungen, fehlender FI-Schalter, Steckdosen ohne Schutzkontakt, Leitungen mit nur zwei Adern.

  • Die Kosten für ein Einfamilienhaus liegen meist im mittleren vierstelligen bis niedrigen fünfstelligen Bereich.

  • Der größte Kostenblock ist Arbeitszeit, vor allem das Schlitzen der Wände und das anschließende Verputzen.

  • Eine allgemeine Nachrüstpflicht gibt es nicht, aber wer Leitungen anfasst, muss die betroffenen Teile normgerecht ausführen.

  • Teilerneuerungen sind fast immer teurer als der Komplettaustausch in einem Zug.

  • Arbeiten an der festen Installation gehören zwingend in die Hand eines Fachbetriebs.

Die Elektrik ist der Posten, den bei Besichtigungen fast niemand anschaut und der später am meisten kostet. Sie ist unsichtbar, sie funktioniert scheinbar, und sie steckt in den Wänden.

Bei unseren Ankäufen im Allgäu ist sie regelmäßig der Punkt, an dem aus einer geplanten Renovierung eine Sanierung wird. Deshalb hier, woran man den Zustand erkennt, bevor die erste Wand offen ist.

Die vier Anzeichen

Du brauchst keinen Elektriker, um eine grobe Einordnung zu bekommen. Vier Dinge kannst du selbst prüfen.

Der Sicherungskasten. Sitzen dort noch Schraubsicherungen aus Keramik mit farbigen Plättchen? Dann ist die Anlage in ihrem Kern älter als sechzig Jahre.

Der FI-Schalter. Ein Fehlerstromschutzschalter sieht aus wie ein breiterer Automat mit Prüftaste. Fehlt er komplett, fehlt der wichtigste Schutz gegen Stromschläge.

Die Steckdosen. Haben sie oben und unten die metallischen Schutzkontakte? Alte Dosen ohne Schutzkontakt bedeuten, dass es keinen Schutzleiter gibt.

Die Anzahl der Stromkreise. Zähl die Sicherungen. Ein Haus mit 130 Quadratmetern und vier Sicherungen hat eine Installation, die für zwei Lampen und ein Radio ausgelegt wurde, nicht für Küche, Homeoffice und Wärmepumpe.

Elektrik im Altbau erneuern: was es kostet

Für ein Einfamilienhaus mit 120 bis 150 Quadratmetern liegt der Komplettaustausch meist im mittleren vierstelligen bis niedrigen fünfstelligen Bereich. Die Spanne ist so groß, weil drei Faktoren stark schwanken.

Die Anzahl der Auslässe. Jede Steckdose, jeder Schalter, jeder Lichtauslass ist ein eigener Posten. Wer die Gelegenheit nutzt und ordentlich ausstattet, zahlt mehr, ärgert sich aber die nächsten dreißig Jahre nicht.

Die Verlegeart. Unterputz in Massivwänden bedeutet Schlitzen, Stemmen, Verputzen und Streichen. Das ist der eigentliche Kostentreiber, nicht das Kabel. Im Trockenbau oder bei ohnehin geöffneten Wänden wird es deutlich günstiger.

Der Zählerschrank. Ist er alt und zu klein, kommt ein neuer dazu, oft mit Anmeldung beim Netzbetreiber.

Als Faustwert aus unseren Projekten: Wenn ohnehin saniert wird, macht die Elektrik etwa 10 bis 15 Prozent der Gesamtkosten aus. Wie sich der Rest verteilt, steht in unserem Artikel zu den Sanierungskosten pro Quadratmeter.

Warum Stückwerk teurer wird

Der naheliegende Gedanke: erst das Wohnzimmer, nächstes Jahr die Schlafzimmer. In der Praxis geht diese Rechnung fast nie auf.

Der Elektriker kommt dann mehrfach an, jedes Mal mit Anfahrt und Einrichtung. Der Maler kommt mehrfach. Die Wände werden mehrfach geöffnet und geschlossen. Und am Ende hast du eine Anlage, in der neue und alte Leitungen zusammentreffen, was die Fehlersuche später erschwert.

Wenn ohnehin Böden raus und Wände offen sind, ist der Aufschlag für die restlichen Räume klein. Genau dann ist der Moment.

Die Pflichtfrage

Eine allgemeine gesetzliche Pflicht, die Elektrik im Bestand zu erneuern, gibt es nicht. Eine alte Anlage darf weiter betrieben werden.

Zwei Einschränkungen gelten trotzdem:

Sobald du Leitungen anfasst oder erweiterst, müssen die betroffenen Teile den anerkannten Regeln der Technik entsprechen. Ein Fachbetrieb wird eine Erweiterung an einer Anlage ohne Schutzleiter in der Regel ablehnen.

Und im Schadensfall schaut die Versicherung genau hin. Ein Brand, der auf eine erkennbar veraltete Anlage zurückgeht, kann die Regulierung kosten.

Für Käufer: was vor dem Notartermin passieren sollte

Die Elektrik ist einer der wenigen Posten, die man vor dem Kauf verlässlich klären kann, ohne eine Wand zu öffnen.

Ein E-Check durch einen Fachbetrieb kostet überschaubar und liefert ein Protokoll über den Zustand. Bei einem Haus vor 1975 ohne erkennbare Modernisierung ist das gut investiertes Geld, weil es eine vierstellige Verhandlungsposition begründet oder eben Entwarnung gibt.

Bei unseren eigenen Ankäufen gehen wir genauso vor: Sicherungskasten anschauen, Steckdosen prüfen, im Zweifel messen lassen. Was wir dabei finden, fließt in den Preis ein, den wir nennen. Wenn du ein Objekt hast, bei dem du den Zustand nicht einschätzen kannst, schau es dir gerne mit uns an, über das Kontaktformular.

Für Verkäufer: Transparenz schlägt Verschweigen

Eine alte Elektrik verschwindet nicht dadurch, dass man sie nicht erwähnt. Käufer mit einem halbwegs erfahrenen Begleiter sehen den Sicherungskasten in dreißig Sekunden.

Was hilft: den Zustand kennen und benennen. Wer sagen kann "Die Elektrik ist von 1968, ein E-Check liegt vor, hier ist das Protokoll", verhandelt über eine bekannte Zahl. Wer nichts sagt, verhandelt über die Angst des Käufers, und die ist immer teurer als die Realität.

Was die Erneuerung an deinem Objekt kosten würde, kannst du im Kostenrechner durchgehen. Ergebnisse aus unseren sanierten Objekten findest du in den Projekten.

Alle Zahlen sind Erfahrungswerte aus dem Allgäu, Stand September 2026. Arbeiten an der festen Elektroinstallation dürfen ausschließlich von einem eingetragenen Fachbetrieb ausgeführt werden.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich, dass die Elektrik erneuert werden muss?

An vier Anzeichen: Schraubsicherungen aus Keramik statt Sicherungsautomaten, fehlender Fehlerstromschutzschalter, Steckdosen ohne Schutzkontakt und Leitungen mit nur zwei Adern ohne Schutzleiter. Trifft eines davon zu, stammt die Installation meist aus der Zeit vor 1965 und gehört erneuert.

Was kostet die Erneuerung der Elektrik im Einfamilienhaus?

Für ein Haus mit 120 bis 150 Quadratmetern liegt die Spanne meist im mittleren vierstelligen bis niedrigen fünfstelligen Bereich, je nach Anzahl der Auslässe und danach, ob Wände geschlitzt werden müssen. Der Löwenanteil ist Arbeitszeit, nicht Material.

Muss ich die Elektrik erneuern lassen, wenn ich ein altes Haus kaufe?

Eine allgemeine gesetzliche Nachrüstpflicht für die Elektroinstallation gibt es nicht. Sobald du aber ohnehin Leitungen anfasst oder erweiterst, müssen die betroffenen Teile den anerkannten Regeln der Technik entsprechen. Unabhängig davon ist eine Anlage ohne Schutzleiter ein Sicherheitsrisiko.

Kann man Elektroarbeiten selbst machen?

Nein, jedenfalls nicht die Arbeiten an der festen Installation. Diese dürfen nur von einem eingetragenen Elektrofachbetrieb ausgeführt und abgenommen werden. Wer selbst tätig wird, riskiert den Versicherungsschutz und im Schadensfall die Haftung.

Lohnt sich eine Teilerneuerung der Elektrik?

Selten. Wenn ohnehin Wände geöffnet und Böden aufgenommen werden, ist der Aufschlag für die restlichen Räume vergleichsweise gering. Wer in Etappen arbeitet, zahlt Anfahrten und Baustelleneinrichtung mehrfach und hat am Ende oft eine gemischte Anlage, die niemand mehr überblickt.

Was ist ein E-Check und brauche ich ihn?

Der E-Check ist eine standardisierte Prüfung der elektrischen Anlage durch einen Fachbetrieb mit Protokoll. Pflicht ist er für Privatleute nicht, aber er ist der günstigste Weg, den Zustand vor einem Kauf oder Verkauf verlässlich zu klären.

 
 
 

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