Was kostet eine Komplettsanierung pro Quadratmeter?

Das Wichtigste in Kürze
Eine vollständige Innensanierung ohne Grundrissänderung kostet aktuell meist 800 bis 1.400 Euro je Quadratmeter.
Mit Grundrissänderung, Statik oder Sanierung der Gebäudehülle sind 2.000 Euro je Quadratmeter und mehr realistisch.
Ein Standardbad liegt bei etwa 15.000 bis 25.000 Euro.
Plane 15 bis 20 Prozent Reserve ein. Bei Baujahren vor 1960 eher mehr.
Die Reihenfolge ist von außen nach innen und von oben nach unten. Wer sie dreht, zahlt doppelt.
Der größte Kostentreiber im Allgäu ist nicht das Material, sondern die Verfügbarkeit der Handwerker.
Die Frage nach den Sanierungskosten pro Quadratmeter bekommen wir öfter als jede andere. Und die ehrliche Antwort beginnt mit einer Gegenfrage: Was genau ist mit Sanierung gemeint?
Zwischen "Böden raus, streichen, Bad neu" und "alles bis auf die Grundmauern" liegt der Faktor drei. Deshalb hier die Spannen einzeln, statt einer Zahl, die für nichts stimmt.
Die Werte stammen aus rund 20 Objekten, die wir im Allgäu gekauft, saniert und weiterverkauft haben. Sie sind keine Angebote, sondern Erfahrungswerte für die Größenordnung.
Die Spannen nach Umfang
Umfang | Euro je Quadratmeter | Was drin ist |
|---|---|---|
Kosmetik | 150 bis 350 | Malerarbeiten, Böden, Kleinreparaturen |
Innensanierung | 800 bis 1.400 | Bad, Böden, Elektrik, Türen, Malerarbeiten |
Kernsanierung innen | 1.400 bis 2.000 | zusätzlich Estrich, Leitungen, Grundriss |
Vollsanierung mit Hülle | ab 2.000 | zusätzlich Dach, Fenster, Dämmung, Heizung |
Die Zahlen beziehen sich auf Wohnfläche, nicht auf Grundfläche, und schließen Handwerkerleistung samt Material ein. Nicht enthalten sind Kaufnebenkosten, Architekt, Statiker und Genehmigungen.
Die großen Einzelposten
Bad. 15.000 bis 25.000 Euro für vier bis sechs Quadratmeter. Der teuerste Raum pro Quadratmeter im ganzen Haus, weil dort vier Gewerke zusammenkommen. Was das im Detail heißt, steht in unserem Artikel zur ebenerdigen Dusche im Bestand.
Elektrik. Bei Häusern vor 1975 fast immer ein Komplettaustausch. Alte Leitungen ohne Schutzleiter, zu wenige Stromkreise, Sicherungskästen, die niemand mehr anfassen will. Rechne mit einem mittleren vierstelligen bis niedrigen fünfstelligen Betrag, je nach Größe.
Fenster. Der Posten, der am stärksten von der Stückzahl abhängt. Ein Haus mit 15 Fenstern und zwei Türen liegt schnell im höheren fünfstelligen Bereich, wenn es Sonderformate hat.
Heizung. Stark abhängig vom System und davon, ob Fußbodenheizung dazukommt. Hier lohnt sich die Förderprüfung am meisten, mehr dazu im Artikel zum energieeffizienten Sanieren.
Böden. Der Posten mit dem besten Verhältnis von Kosten zu Wirkung. Ein durchgehender Boden verändert die Wahrnehmung einer Wohnung stärker als fast alles andere.
Was den Preis nach oben treibt
Vier Dinge, die im Angebot nicht stehen und trotzdem die Rechnung bestimmen.
Das Baujahr. Vor 1960 gibt es fast immer Überraschungen: Asbest in Bodenklebern und Fassadenplatten, fehlende Abdichtung im Keller, Balkenlagen in unklarem Zustand. Vor der Sanierung eines solchen Hauses gehört eine Schadstoffprüfung dazu, nicht danach. Wo Asbest im Bestand typischerweise verbaut wurde, listet das Umweltbundesamt auf.
Der Zugang. Ein Dachgeschoss ohne Aufzug, ein Hof, in den kein Container passt, eine Straße, die im Winter nicht befahrbar ist. Klingt nebensächlich, schlägt aber im Angebot durch, weil Arbeitszeit teurer ist als Material.
Die Gleichzeitigkeit. Wer alle Gewerke parallel laufen lassen will, zahlt Koordinationsaufschläge oder braucht eine Bauleitung. Wer sie nacheinander laufen lässt, zahlt mit Zeit.
Die Entscheidungsgeschwindigkeit. Der am meisten unterschätzte Faktor. Jede Woche, in der ein Handwerker auf eine Materialentscheidung wartet, kostet Geld und den Platz im Terminplan.
Sanierungskosten pro Quadratmeter im Allgäu: der Handwerkerfaktor
Der Unterschied zum Bundesdurchschnitt liegt bei uns weniger im Material als in der Verfügbarkeit.
Die Betriebe in der Region sind gut ausgelastet. Vorlaufzeiten von mehreren Monaten sind bei den gefragten Gewerken normal, und wer kurzfristig jemanden braucht, zahlt dafür. Dazu kommen die Anfahrten in die Seitentäler und Außenarbeiten, die im Winter nur eingeschränkt möglich sind.
Praktisch heißt das: Angebote früh einholen, Termine verbindlich machen, und den günstigsten Anbieter nicht automatisch nehmen. Ein Betrieb, der zuverlässig kommt und in der Reihenfolge bleibt, ist am Ende billiger als der, der 10 Prozent günstiger anbietet und dreimal verschiebt.
Die Reserve ist kein Puffer, sondern ein Posten
Bei Bestandsimmobilien kalkulieren wir grundsätzlich 15 bis 20 Prozent zusätzlich ein. Bei Häusern vor 1960 oder mit bekannten Feuchtigkeitsproblemen mehr.
Das ist keine Vorsicht, sondern Erfahrung. In fast jedem Projekt findet sich etwas hinter einer Wand, das im Angebot nicht stehen konnte, weil es niemand sehen konnte. Wer ohne Reserve kalkuliert, muss mittendrin Abstriche machen, und die trifft es dann meist an der falschen Stelle.
Bevor du anfängst
Drei Schritte, die vor dem ersten Angebot passieren sollten:
Umfang festlegen. Was muss gemacht werden, was wäre schön? Ohne diese Trennung wächst jedes Projekt.
Kosten grob rechnen. Dafür ist unser Kostenrechner gedacht, er geht die Positionen einzeln durch.
Gegenrechnen. Was ist das Objekt saniert wert, was unsaniert? Erst diese Differenz sagt dir, ob sich die Sanierung lohnt.
Wenn am Ende dieser Rechnung steht, dass es sich nicht lohnt oder dass Zeit und Nerven fehlen: Wir kaufen Objekte im Allgäu genau so an, wie sie sind. Über das Kontaktformular erreichst du uns, Ergebnisse unserer Arbeit siehst du in den Projekten.
Alle Zahlen in diesem Artikel sind Erfahrungswerte aus dem Allgäu, Stand September 2026. Sie ersetzen kein Angebot eines Fachbetriebs.
Häufige Fragen
Was kostet eine Komplettsanierung pro Quadratmeter?
Für eine vollständige Innensanierung ohne Eingriff in den Grundriss liegen die Kosten aktuell meist zwischen 800 und 1.400 Euro je Quadratmeter Wohnfläche. Kommen Grundrissänderungen, Statik oder eine energetische Sanierung der Gebäudehülle dazu, sind 2.000 Euro und mehr realistisch.
Was kostet ein neues Bad?
Für ein Standardbad mit vier bis sechs Quadratmetern liegt die Spanne bei etwa 15.000 bis 25.000 Euro, inklusive Fliesen, Sanitärobjekten, Installation und Elektrik. Nach oben ist die Spanne offen, nach unten wird es nur mit Eigenleistung deutlich günstiger.
Wie hoch sollte die Reserve für Unvorhergesehenes sein?
Bei Bestandsimmobilien rechnen wir mit 15 bis 20 Prozent der kalkulierten Bausumme. Bei Gebäuden vor 1960 oder bei bekannten Feuchtigkeitsproblemen eher mehr. Diese Reserve ist kein Sicherheitspuffer, sondern ein Posten, der bei fast jedem Projekt gebraucht wird.
In welcher Reihenfolge sollte saniert werden?
Von außen nach innen und von oben nach unten. Erst Dach und alles, was Wasser abhält, dann die Fenster, dann die Haustechnik mit Elektrik und Leitungen, danach Estrich und Putz, zuletzt Böden, Malerarbeiten und Bad. Wer diese Reihenfolge dreht, macht fertige Arbeiten wieder kaputt.
Lohnt sich Eigenleistung bei der Sanierung?
Bei Abbruch, Entrümpelung, Malerarbeiten und Bodenverlegung ja, dort steckt viel Lohnanteil und wenig Fachrisiko. Bei Elektrik, Gas, Wasser und Statik nicht, weil Fehler teuer und gefährlich sind und die Gewährleistung entfällt. Bei vermieteten Objekten ist eigene Arbeitszeit zudem steuerlich nicht ansetzbar.
Warum sind Sanierungen im Allgäu teurer als der Bundesdurchschnitt?
Vor allem wegen der Auslastung der Handwerksbetriebe. Die Nachfrage in der Region ist hoch, die Vorlaufzeiten sind lang, und knappe Kapazität schlägt sich in den Angebotspreisen nieder. Dazu kommen längere Anfahrten in die Seitentäler und in den Wintermonaten eingeschränkte Arbeitsbedingungen bei Außenarbeiten.



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